Donnerstag, 21. August 2025

unendlich sanft hl

Losung: Gott spricht: Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück. 1. Mose 3,19

Lehrtext: Wer auf den Boden seiner selbstsüchtigen Natur sät, wird von seiner Selbstsucht das Verderben ernten. Aber wer auf den Boden von Gottes Geist sät, wird von diesem Geist das ewige Leben ernten. Galater 6,8

Liebe Leserin, lieber Leser.

bin ich Staub? 

Was ich weiß

Nun ja, wissenschaftlich gesehen, besteht mein Körper samt allen Organen und dem Gehirn aus Sternenstaub, aus Milliarden und Abermilliarden Atomen. Sie alle entstanden vor unvorstellbar langer Zeit in fernen Sonnen, die bei ihrem „Tod“ explodierten und ihre Bausteine ins Universum schleuderten. 

Daraus bildeten sich durch die Schwerkraft neue Sonnen mit Planeten. Vor 4,6 Milliarden Jahren entstand so auch unser Sonnensystem mit unserer Erde - und auch das wieder nur auf Zeit. So gesehen und nüchtern betrachtet bin ich Staub, Sternenstaub. 

Aber was ist mit dem Leben selbst? Und mit meinen Gefühlen und Gedanken, mit Glaube, Liebe und Hoffnung? 

Für mich ist das alles ein unfassbares Wunder. Und ich bin froh, glauben zu können, wem ich Staubkörnlein dafür danken kann, dass es die Welt und mich in ihr gibt.

Einmal, vielleicht schon bald, werde ich nicht mehr sein, was ich auf materieller Ebene war, nämlich ein äußerst kunstvolles und kompliziertes Zusammenspiel von Atomen. Dann wird, was ich war, zerfallen und wieder so sein wie zuvor, ehe es mich gegeben hat, und ich „ich“ sagen konnte. 

Soweit ein Blick aus naturwissenschaftliche Sicht. Und wie verhält es sich dabei mit meinem Glauben?

Was ich glaube

Ja, ich bin Staub. Doch wie alles, wie jeder Stern und jede Blume bin ich von Gott geschaffen nach seinem Willen, aus seiner Liebe.

Und seine Hand, die mich am Anfang gemacht hat, wird mich auch am Ende halten. In sie will ich mich legen, wie man ein Samenkorn in fruchtbare Erde legt. Ja, ein solcher Same will ich sein von seiner Gnade und Kraft. Der sterbende Jesus hat das so gesagt: „Vater, deinen Händen vertraue ich mich an.“

Ich glaube über alle wissenschaftlichen Betrachtungsweisen hinaus, dass auch ich einmal nicht verloren sein werde. Dann wird geschehen, worauf ich hoffe, mehr noch, worauf ich vertraue und was der Dichter Rainer Maria Rilke so gesagt hat:

Gedicht:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke

Gebet: Mein Gott, du klaubst noch jeden Menschenkrümel am Wegrand auf, dass nichts verlorengehe und nichts umsonst war, was du geschaffen hast. Aus dem Kleinsten kannst du wieder Großes schaffen, und was vergehen wird, bleibt doch in deiner Hand. 
„Du hast alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hast du uns Menschenkindern ins Herz gelegt; nur dass ich nicht ergründen kann das Werk, das du tust, weder Anfang noch Ende.“ * Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

* Prediger 3,11 Altes Testament

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 1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 

 Hinweis für Smartphone-Nutzer: So finden Sie frühere Auslegungen: Weiter nach unten gehen. Auf den Link "Web-Version anzeigen" tippen. In der rechten Spalte gewünschtes Jahr antippen.. Sie können die Losungsauslegungen gerne über WhatsApp, E-Mail etc. weitergeben: Den Link einfach markieren, kopieren und versenden. Der Text ist teilweise diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

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Dienstag, 19. August 2025

Stückwerk – Patchwork hl

Lehrtext: Paulus schreibt: Unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. (1. Korinther 13,9-10.12b)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Plötzlich waren sie wieder Mode, die Patchworkdecken und Taschen: Zusammengesetzt aus verschiedenfarbigen Stoffresten, passend zur Hippie-Zeit in den siebziger Jahren. Patchwork war Flickwerk. Daran musste ich denken, als ich den heutigen Lehrtext gelesen habe.

Doch Patchwork ist mehr als eine Mode. Mein ganzes Leben ist Stückwerk, unvollkommen und unvollendet. Ist zusammengesetzt aus hellen und dunklen Tagen, aus Liebe und Schuld, Freude und Schmerz – wie auch sonst so manches in dieser Welt. Oder vielleicht sogar alles?

Gott ist vollkommen, so sagen wir es, auch wenn wir letztlich gar nicht wissen, was wir damit sagen. Woher auch? Seit jeher sehnen sich die Menschen nach etwas, das besser und perfekter ist als sie selbst: nach dem Vollkommenen, nach Gott.

Und dann, so lese ich in den Evangelien, war es da – das Göttliche, das Vollkommene mitten in unserer unvollkommenen Welt: Es lag in einem Futtertrog, in schmutzigen Windeln, und hing am Kreuzgalgen, blutend und sterbend.  

In ihm hat Gott zuerst ganz unten angefangen, dort wo es nach dem Urin von Ochs und Esel stank. In ihm ist er zu den Verstoßenen in ihren Höhlen gekommen. Er hat es ertragen, dass sein Sohn gemeinsam mit zwei Schwerverbrechern hingerichtet worden ist: Wie elend auch das Leben, wie groß auch die Schuld, wie tief auch das Leid – er scheut sich nicht, an unserer Seite zu sein.

Die Kriegsknechte aber, wie Luther treffend übersetzt, haben die Kleider des Gekreuzigten unter sich aufgeteilt, nur seinen Leibrock nicht; um den haben sie gelost. Denn der war nicht Patchwork. Er war als Ganzes gewebt, in einem Stück, ohne Flicken. Für mich ein Hinweis, dass in ihm der Vollkommene unter den Unvollkommenen lebte. Wenigstens diesen Rock wollten sie nicht in Stücke reißen (Johannes 19,23–24).

Ich aber bleibe Fragment, Stückwerk, mag ich mich auch noch so abmühen, perfekt zu sein. Mir geht es besser damit, mit meinen Brüchen zu leben als alles zu kitten und zu übertünchen, um den Schein zu wahren. Denn, das glaube ich, nicht zu den Vollkommenen, sondern zu den menschlichen Fragmenten und Bruchstücken ist er gekommen als „wahrer Mensch und wahrer Gott“. Er kommt noch immer zu dir und zu mir, um zu heilen und einst zu vollenden, was nur er heilen und vollenden kann – mit seiner Liebe.

Gebet: Herr, ich halte dir die Scherben meines Lebens hin, alles, was mir misslungen ist und woran ich gescheitert bin. Nimm sie in deine Hand, so werde ich heil. – Und zugleich danke ich dir für alles, was gut und gelungen ist durch deinen Segen. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

Die Verstoßenen: Menschen, die wegen ihrer Krankheit (Lepra) aus der Gemeinschaft ausgestoßen wurden und in der Bibel die Ausgesetzten oder Aussätzigen genannt werden.

Der Rock Jesu: Der Legende nach wurde der Leibrock Jesu von Helena, der Mutter von Kaiser Konstantin, im 4. Jahrhundert n. Chr. aufgefunden. So gelangte er schließlich nach Trier. Dort wird er seit 900 Jahren als „Heiliger Rock“ im Domschatz aufbewahrt.

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 1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 

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Sonntag, 17. August 2025

Ach du liebe Zeit! hl

Losung: Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Psalm 90,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ach du liebe Zeit! - wer bist du eigentlich? Manchmal, wenn es „mühselig“ wird, liegst du auf mir wie Blei. Dann wieder, wenn ich zu dir sage: „Verweile doch, du bist so schön!“ *, fliegst du davon. Wo sind sie hingekommen all die Jahre, die du gebracht und wieder genommen hast? So viel ist schon vergangen! Und wie viel bleibt mir noch?

Was ich geschaffen, verweht in deinem Wind. Was mir gehört, nimmst du mir aus der Hand. Du heilst nicht alle Wunden. So lehre mich, mit ihnen zu leben. Dein Zahn nagt an mir, Tag für Tag. Jetzt bin ich alt. Als ich jung war, lag das Künftige in weiter Ferne. Jetzt, da es vergangen ist, scheint es mir, als sei es gestern gewesen.

Zeit, was machst du mit mir? Du hast gegeben und hast genommen. Muss ich mich dir beugen? Herrschst du über mich? Habe ich Zeit - oder hast du mich? 

Nein. Über mich wie über dich herrscht ein anderer. Er hat uns beide gemacht. Wen er ruft, der tritt ins Leben. Wen er wieder ruft, der macht seinen letzten Schritt. Auch du, Zeit, hast einmal begonnen und wirst einmal enden. Auch du wirst gerufen. Du bist der Ewigkeit entsprungen wie ein Quell. Du wirst in sie münden wie ein Fluss. Denn „alles hat seine Zeit“ ** und sein Ziel, auch du.

Gebet: Herr, du hast mir Zeit gegeben, um hier zu leben. Ich danke dir für dein Geschenk. So will ich, auch was schwer ist, annehmen und mich in den guten Zeiten freuen. Will mit meiner Zeit etwas anfangen, das mir und anderen zugute kommt und dich ehrt. Amen

Gebetslied:

Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Jahres Last
und wandle sie in Segen.
Nur von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.

Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.
Jochen Klepper

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

*  Faust I
** Altes Testament, Prediger 3,1.20

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 1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 

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Freitag, 15. August 2025

Gott loben hl

Losung: Ich will dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben. Psalm 63,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wann lobst du Gott? Täglich? Wenn es dir gut geht? Wenn dich etwas freut? Auch wenn es dir schlecht geht?

Gott zu loben ist keine Pflicht. Die Psalmen und Lieder, die dazu aufrufen, sind vielmehr eine Erinnerung: Du hast Grund zu danken – egal, wie es dir gerade geht. Lob hilft, den Blick für einen Moment von dem zu lösen, was dich belastet, und auf das zu richten, was gut ist. Und wenn dir im Augenblick nichts einfällt, dann erinnere dich an frühere gute Zeiten.

Gerhard Tersteegen schrieb einmal: „Ist’s etwas Großes, dass die Engel Gott loben? Nein. Aber dass Hiob auf seinem Misthaufen Gott lobte, das war etwas Großes – und gefiel Gott besser als das Lob aller Engel.“ *

Ja, sieh auf das, was gut ist – und lobe Gott! Vieles ist nicht selbstverständlich: dass wir in unserem Land medizinisch gut versorgt werden, ein Dach über dem Kopf haben, genug zu essen und viele Annehmlichkeiten, die das Leben lebenswert machen. Natürlich verdienen Ärztinnen, Ärzte und alle Helfenden unser Lob und unseren Dank. Aber ich glaube, dass Gott auch durch sie wirkt – Grund genug, ihn zu preisen.

Während ich dies schreibe, landet ein Rettungshubschrauber der „gelben Engel“ vor dem Klinikum. Vielleicht bringt er einen Schwerverletzten, der um sein Leben kämpft. Gottlob gibt es die Luftrettung – Gott lob!

Gott wirkt durch Menschen, und oft auch durch dich und mich. Teresa von Ávila (1516-1582) formulierte es so: „Christus hat keine anderen Hände als unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.“ Wer also einem Menschen dankt, dankt zugleich Gott – bewusst oder unbewusst. Wer sich dessen bewusst ist, sieht ihn überall am Werk: in Mitmenschen, in der Natur, in allem, was Freude und Kraft schenkt.

Darum will ich Gott öfter loben. Das verändert meinen Blick, weitet meinen Horizont und tut mir gut.

Gebet: Mein Jesus, du trägst den Namen „Gott hilft“. Wenn ich deinen Namen sage, lobe ich Gott, und wenn ich seinen sage, dich. Dazu habe ich allen Grund – egal, was gerade geschieht. Amen.

Liedvers:

Ich lobe meinen Gott,
der meine Tränen trocknet, dass ich lache.
Ich lobe meinen Gott,
der meine Angst vertreibt, damit ich atme.
Ehre sei Gott auf der Erde
in allen Straßen und Häusern,
die Menschen werden singen,
bis das Lied zum Himmel steigt.
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Frieden auf Erden.

Text: Hans-Jürgen Netz

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

* Hiob: „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ (Hiob 1,20 und 2,8-10)

Nächste Auslegung: Sonntag, 17.08.25. Thema: Ach du liebe Zeit!

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Sonntag, 10. August 2025

Segen: Mantel aus Licht hl

Losung: Der HERR segne dich und behüte dich. 4. Mose 6,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vielleicht erinnerst auch du dich an folgenden Liedvers. Wir haben ihn damals in der Grundschule gesungen, immer am Ende eines jeden Schultages. Und ich meine, unsere Kinderstimmen noch im Ohr zu haben:

Unsern Ausgang segne Gott,
unsern Eingang gleichermaßen.
Segne unser täglich Brot, 
segne unser Tun und Lassen. 
Segne uns mit sel'gem Sterben 
und mach uns zu Himmelserben.

Aber ist das auch so? Hat Gott dich gesegnet und tut er's noch?

Ja, bedingungslosSo heißt es in der Bibel von ihm: Er segnete Adam und Eva, nachdem er sie geschaffen hatte. Sie stehen stellvertretend für alle Menschen. In ihnen bist auch du gesegnet - von Anfang an.

Noch bevor ein Mensch auf die Idee kommen kann, etwas für Gott zu tun, hat er mit seinem Segen schon alles für ihn getan, für dich und für mich, für alle, die du magst, und für die anderen auch.

Bedeutet dir das etwas? Mir bedeutet es viel, auch wenn es Menschen sind, die mich im Namen des dreieinigen Gottes segnen, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sie tun das mit jedem guten Wunsch für mich, auch wenn ihnen das gar nicht bewusst ist. 
Als meine Lebensreise begann, hat mich ein anderer Pfarrer bei der Taufe gesegnet. Und vielleicht wird das auch so sein, wenn sie endet: „Segne mich mit sel'gem Sterben.“ Das wünsche ich mir.

Seit meiner Geburt habe ich viele Segenswünsche von vielen Menschen erhalten: zu besonderen Ereignissen, wenn in meinem Leben ein neues Kapitel begann oder ein neues Jahr. Oft habe ich nicht weiter darüber nachgedacht. Aber jetzt habe ich die Gelegenheit:

Ja, ich bin gesegnet von Gott und von Menschen, die das in seinem Namen tun: mit Kindern und Enkelkindern, mit Liebe und Freundlichkeit, mit medizinischer Hilfe und ausreichend Kraft für den Alltag. Dafür bin ich dankbar. Auch für manchen seelischen Schmerz, der meinen Glauben hat reifen lassen. Für manche Schwierigkeit, an der ich gewachsen bin.

Und ich segne andere am Ende eines Gottesdienstes. Da breite ich die Arme aus und sage:
„Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden!“

Doch was genau sage ich damit? Meine persönliche Antwort heißt: Ich wünsche den Menschen, dass Gottes Licht sie wie ein unsichtbarer Mantel umhülle. Licht, das im gütigen und liebevollen Angesicht Jesu über uns leuchtet. Das dich umhüllt und tröstet, schützt und wärmt.*

Ob diese Antwort theologisch korrekt ist? Für mich stimmt sie jedenfalls. Und sie hilft mir, zu verstehen, was ich da sage, wenn ich Menschen segne. Und vielleicht hilft sie auch dir, wenn du das liest.

Wir sind gesegnet. Das verhindert nicht, dass wir krank werden können, Unglück erleiden und einmal sterben werden. Aber wenn ich mir klarmache, dass es so ist, stärkt das meinen Glauben. Dann vertraue ich, dass in meinem Leben trotz allem eine gute Macht wirkt. Das gilt dann ebenso für die Schöpfung im Ganzen und unsere kleine Welt - selbst wenn es für meine Menschenaugen nicht danach aussieht. 

Doch da ist ein anderer, für den es so aussieht, weil er selbst diese Macht ist, der dreieinige Gott, in dessen Namen wir gesegnet werden und segnen. In diesem Vertrauen kann ich viel annehmen und tragen und trotz mancher Sorgen zuversichtlich sein.

Gebet: Herr, ich lebe im Licht deines Segens. Manchmal vergesse ich das vor lauter anderen Dingen. Und doch ist es so, wie es bisher schon war und auch künftig sein wird. Die Natur, die Tiere und auch ich - alles ist mir ein Zeichen für deinen Segen. Erhalte mir diesen Glauben und lass mich selbst ein Segen sein. Amen

„Hilf mir und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt (fließt),
dass ich dir stetig blühe;
gib, dass der Sommer deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrüchte ziehe.“ (Paul Gerhardt)

Herzliche Grüße und einen gesegneten Sonntag!

Ihr / dein Hans Löhr

* Bitte das nicht nur lesen, sondern sich so gut es geht vorstellen. Dazu helfen mir auch die Verse aus Psalm 139,5-12

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 1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt.

Hinweis für Smartphone-Nutzer: So finden Sie frühere Auslegungen: Weiter nach unten gehen. Auf den Link "Web-Version anzeigen" tippen. In der rechten Spalte gewünschtes Jahr antippen..

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Mittwoch, 6. August 2025

Geheimnisverrat hl

Lehrtext: Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand; ich will Psalmen singen mit dem Geist und will auch Psalmen singen mit dem Verstand. 1. Korinther 14,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute geht es in meiner Auslegung des Lehrtextes um das Phänomen der „Zungenrede” und darum, dass zum Glauben auch das Verstehen gehört. Es empfiehlt sich, dazu das Kapitel 14 aus dem ersten Korintherbrief zu lesen, das ich unten angehängt habe.

Mein 13-jähriger Enkel reist morgen mit seinem Chor nach China. Die chinesischen Behörden machten zur Bedingung, dass in keinem Lied das Wort „Gott” vorkommen dürfe und verlangten darüber hinaus, dass die bayerischen Jodler übersetzt werden müssten. Da kann man sich nur wundern, wovor so ein mächtiges Land alles Angst hat. Und was die Übersetzung der Jodler betrifft, habe ich erstmal gelacht.

Einen Jodler kann man nicht übersetzen. Oder vielleicht doch? Das frage ich mich, nachdem ich das Kapitel über die „Zungenrede“ gelesen habe, worauf sich auch der heutige Lehrtext bezieht. 

Ich habe noch niemanden in Zungen reden hören. Das wäre für mich schon sehr seltsam. Aber offenbar gibt es Menschen, die sich in einen anderen, der so „redet“, einfühlen und die Laute dann verständlich erklären können. Das fordert auch Paulus, sonst wäre ihm zufolge die Zungenrede nutzlos für andere Christen (1. Korinther 14). Zu seiner Zeit in der Antike war sie allerdings nichts Ungewöhnliches. Heute kommt sie hauptsächlich in den Gottesdiensten freikirchlicher Pfingstgemeinden vor und zwar weltweit.

Paulus verurteilt das nicht, hat er doch, nach eigener Aussage, auch selbst „in Zungen geredet“. Aber die prophetische, also die verständige Rede zieht er in den Zusammenkünften der Gemeinde vor: „Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde” (1. Korinther 14,3-5).

Ich finde sowieso, dass zum Glauben die verständige und verständliche Rede gehört, bei der man nicht nur verstehen, sondern auch beurteilen kann, was gesagt wird. 

Gott aber braucht auch für ekstatische, unverständliche Gebete keinen Übersetzer. Er kennt die Empfindungen eines jeden. Und wer ihn im Überschwang seiner Gefühle preist, und sei es mit Lauten, die mich befremden, den versteht er sehr wohl, egal in welcher Sprache und mit welchen Ausdrucksformen das geschieht. 

Ist nicht auch unsere Kirchenmusik so etwas wie ein Lobpreis ohne Worte? Wenn unser Posaunenchor Choräle spielt, weiß ich doch auch, worum es da geht. Und falls mich dann jemand fragt: „Was wird denn da gespielt?“ Kann ich zum Beispiel sagen: „Nun danket alle Gott mit Herzen Mund und Händen“.

Und wie ist das mit einem oberbayerischen Jodler? Immerhin gibt es auch den bekannten Andachtsjodler, der hauptsächlich in katholischen Gottesdiensten gesungen wird. Wer das weiß, der weiß auch, dass es dabei um den Glauben geht und darum, die Liebe zu Gott auf eine innige Weise auszudrücken.

Auch der Andachtsjodler ist mehr als eine Abfolge von schönen Tönen. Wer Ohren hat, zu hören, der hört. Da können auch die chinesischen Behörden nichts machen.

Das Wort Gottes aber, liebe Leserin, lieber Leser, ist mehr als ein Laut oder Klang, vor allem, da es etwas zu sagen hat, das andere verstehen sollen. Das alle verstehen sollen insbesondere, da es die gute Nachricht für alle ist. 

Gott, so heißt es im Johannesevangelium, ist das Wort. Aber nicht eines unter anderen, sondern das Wort schlechthin. Er behält es nicht für sich. Es wird Mensch. In Jesus spricht er sich aus, wer er für uns sein will, wer er ist. Gott ist das Geheimnis der Welt. Das glaubten und ahnten Menschen wohl zu allen Zeiten, in allen Religionen auf die ihnen mögliche Art und Weise. Aber in Jesus „verrät“ er sein Geheimnis. Jetzt wird deutlich und klar: Was er durch ihn zu sagen hat, ist das Wort der Wörter. Gott, so heißt es in der Bibel, ist Liebe. Das ist sein Geheimnis, das er in Jesus „verrät“. Doch sein Geheimnis versteht sich nicht von selbst. Auch wenn es bekannt ist, so will es doch geglaubt und verstanden sein.

Gebet: Mein Gott, du kennst und verstehst mich besser als ich mich selbst. Aber ich will auch dich glauben und verstehen, soweit mir das möglich ist. Ich danke dir, dass du dafür auch mir Jesus geschenkt hast. Durch ihn höre ich dich. Durch ihn kann ich dir vertrauen. Durch ihn weiß ich mich von dir geliebt und kann dich wieder lieben. So wirst du mir wie gestern, so auch heute und morgen geben, womit ich bestehen kann, was auf mich zukommt. So gibst du mir die Kraft, auch für andere da zu sein. Du sprichst ja auf vielerlei Weise auch durch sie zu mir. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr 

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Hier das Kapitel 14 des Apostel Paulus über die Zungenrede im ersten Korintherbrief:

Zungenrede und prophetische Rede

1 Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet! 2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht ihn: im Geist redet er Geheimnisse. 3 Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. 4 Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. 5 Ich möchte, dass ihr alle in Zungen reden könnt; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch redet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, auf dass die Gemeinde erbaut werde. 6 Nun aber, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre? 7 So verhält es sich auch mit leblosen Instrumenten, es sei eine Flöte oder eine Harfe: Wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? 8 Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zur Schlacht rüsten? 9 So auch ihr: Wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. 10 Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. 11 Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein. 12 So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut. 13 Wer also in Zungen redet, der bete, dass er’s auch auslegen könne. 14 Denn wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist; aber mein Verstand bleibt ohne Frucht. 15 Wie soll es aber sein? Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand; ich will Psalmen singen mit dem Geist und will auch Psalmen singen mit dem Verstand. 16 Wenn du Gott lobst im Geist, wie soll der, der als Unkundiger dabeisteht, das Amen sagen auf dein Dankgebet, da er doch nicht weiß, was du sagst? 17 Dein Dankgebet mag schön sein; aber der andere wird nicht erbaut. 18 Ich danke Gott, dass ich mehr in Zungen rede als ihr alle. 19 Aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in Zungen. 20 Liebe Brüder und Schwestern, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Bosheit geht; im Verstehen aber seid erwachsen. 21 Im Gesetz steht geschrieben: »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, aber auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.« 22 Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen. 23 Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen? 24 Wenn aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen überführt und von allen gerichtet; 25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist. 26 Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung! 27 Wenn jemand in Zungen redet, so seien es zwei oder höchstens drei und einer nach dem andern; und einer lege es aus. 28 Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott. 29 Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst darüber urteilen. 30 Wenn aber einem andern, der dabeisitzt, eine Offenbarung zuteilwird, so schweige der Erste. 31 Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden. 32 Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. 33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. .... 37 Wenn einer meint, er sei ein Prophet oder vom Geist erfüllt, der erkenne, dass es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe. 38 Wer aber das nicht erkennt, wird nicht erkannt. 39 Darum, liebe Brüder, bemüht euch um die prophetische Rede und wehrt nicht der Zungenrede. 40 Lasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen.

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Gott ist ein Gott des Friedens“. Das ist für mich die zentrale Botschaft beim Gedenken an Hiroshima heute vor 80 Jahren.

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Freitag, 1. August 2025

Offene Fragen hl

Losung: Herr, wir erkennen, dass wir vor dir versagt haben. Bleibe uns treu. „Bist du es nicht, Herr, unser Gott, auf den wir hoffen? Denn du hast das alles gemacht.“ Jeremia 14,22

Liebe Leserin, lieber Leser,

Seit Jahrzehnten denke ich nun schon über die Bibel nach. Vieles habe ich dazugelernt. Vieles verstehe ich inzwischen anders, manches besser. Mein Glaube ist, wie ich meine, reifer und tiefer geworden. Aber eine Sache kann und will ich nicht begreifen: Wenn Gott alles gemacht hat, wie es oben heißt, wie ist das dann mit dem Bösen, mit Krankheit, Katastrophen und Krieg? Mit den Schmerzen und all dem Leid? Ich verstehe das einfach nicht. Ich kann ihm das nur klagen.

Und wie ist es mit dem Bösen in mir, also mit meinen negativen Gefühlen und Gedanken, wenn ich insgeheim andere beschuldige und verurteile? Erst recht, wenn ich etwas sage und tue, was sie verletzt? – Und wie ist es in dir?

Adam, Eva und wir

Dass wir Menschen die Schuld für eigenes Versagen gerne anderen in die Schuhe schieben, lese ich schon auf den ersten Seiten der Bibel. Da wird am Beispiel von Adam* und Eva, erzählt, wie der Mensch ist. Adam beschuldigt vor Gott seine Eva: „Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß.“ Und Eva: Die Schlange war's. „Sie betrog mich, sodass ich aß“ (1. Mose 3,12-13).

So schiebt von Anfang an einer die Schuld auf den anderen. Und Adam schiebt sie auch noch auf Gott: „Du hast mir doch diese Frau gegeben.“ Damit aber kommt er samt allen seinen Adamskindern bis hinauf zu uns bei ihm nicht durch.

Freiheit und Verantwortung

Ja, Gott hat alles gemacht, auch uns Menschen. Doch der Bibel entnehme ich, dass er uns auch die Verantwortung gegeben hat – für uns selbst, für andere und seine Schöpfung insgesamt. Er traut uns zu und gibt uns die Freiheit, dass wir zwischen gut und böse unterscheiden können. Er gibt uns die Möglichkeit, dem Bösen zu widerstehen und es mit Gutem zu überwinden (Römer 12,21).

Und dennoch bleiben Fragen, auf die ich keine Antwort finde. Der Glaube ist eben keine Rechenaufgabe, die glatt aufgeht. Es bleiben Widersprüche, die ich nicht auflösen kann. Von denen ich nur erlöst werden kann von dem, der das alles auf sich nimmt am Kreuz.

Durch ihn erfahre ich: Gott wirkt durch seinen Geist, wodurch er alles ins Dasein gerufen hat. Durch den Geist der Liebe und der Kraft, des Segens und des Trostes. Er  wirkt nicht nur durch die Gesetze der Natur. Er wirkt auch in und durch uns Menschen, durch dich und mich, durch Freund und Feind. Ja, auch durch den. Denn unsere Feinde sind nicht zugleich seine Feinde. Gott hat sie ebenfalls geschaffen. 

Er hat auch mit dem zu tun, was mir zu schaffen macht, was mir weh tut. Wie und warum? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass auch das zu dieser Welt gehört und zu meinem Leben. Eine andere Welt kenne ich nicht. Ein anderes Leben habe ich nicht. In beiden begegnet er mir in Christus und hält bei mir aus; das glaube ich.

„Das Leben ist schön“

Doch auch das will ich nicht vergessen, wie schön diese Welt sein kann, wunderschön, und dass ich trotz allem mein Leben liebe. Warum das so ist? Auch das weiß ich nicht, genauso wenig, warum ich überhaupt leben darf in dieser Zeit, in diesem Land, unter seinem Himmel.  

Ich jedenfalls will ihm dankbar sein – auch wenn jetzt nicht alles gut ist. Er ist mein Gott, auf den Menschen seit den Zeiten der Bibel hoffen. Ihm will ich vertrauen. 

Gebet: Herr, ich werde dich nicht lang bitten. Ich gehe davon aus, dass du mein Gott bist, auf den ich hoffen kann. Davon soll mich nichts abbringen, auch das nicht, was weh tut. Du bleibst mir in Jesus treu im Wechsel der Zeiten. Du beschenkst mich täglich mit vielem, was gut ist. Du gibst mir auch die Kraft, zu tragen, was schwer ist. Ja, auf dich kann ich hoffen. Dir will ich danken. Amen

Soweit meine Gedanken und mein Gebet zur heutigen Losung. Was denkst du?

Herzliche Grüße,

Ihr / dein 

Hans Löhr

* Adam: auf Deutsch „der Mensch“. Eva: „Mutter alles Lebendigen"

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 1728 erschien in  die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 

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 Hinweis für Smartphone-Nutzer: So finden Sie frühere Auslegungen: Weiter nach unten gehen. Auf den Link "Web-Version anzeigen" tippen. In der rechten Spalte gewünschtes Jahr, Monat und Tag aufrufen. 

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Sonntag, 27. Juli 2025

Nicht fürchten! hl

Wochenspruch: So spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1

Lehrtext: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus 1,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Fürchte dich nicht!“ - so beginnt beim Propheten Jesaja Gottes frohe Botschaft. Damals galt sie den Israeliten. Heute gilt sie auch uns:

„Fürchte dich nicht!“ - du bist keine Laune der Natur, bist kein Kind des Zufalls! Du bist ein Kind Gottes nach seinem Willen, ganz gleich, ob du das glaubst. Er hat dich erlöst von der Angst, verloren und einsam zu sein in diesem Leben. So heißt es auch in Psalm 27: „Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf“ (Vers10). Ja, Er hat dich erlöst von dem Schmerz, bei den Menschen ein Nichts und Niemand zu sein. Denn er kennt dich mit Namen. Lass dich nicht von anderen, lass dich nicht von den schlechten Nachrichten einschüchtern. Vertraue seinem Wort: „Du bist mein.“

„Fürchtet euch nicht!“ - sagt der Weihnachtsengel zu den zerlumpten und verachteten Hirten von Bethlehem; „Denn für euch ist heute der Heiland geboren, Christus, der Herr (Lukas 2). Ihr, die ihr sonst die Letzten seid, seid jetzt die Ersten, die das erfahren. Und dieser Jesus ist nicht im Königsschloss von Jerusalem geboren, sondern bei euch, in einem Viehstall. Und er liegt nicht in einer goldenen Wiege, sondern in einem Futtertrog. Und er wird nicht im Bett sterben, sondern am Kreuz. Und das alles für euch. Gerade so wird er der Herr sein; für euch und alle Welt.“ 

So sprach der Engel, der Botschafter Gottes, zu den Hirten. So spricht er zu dir und zu mir. Das, liebe Leserin, lieber Leser, gilt für alle. Doch die gute Botschaft, so glaube ich, entfaltet ihre Kraft in dem, der sich ihr öffnet. Der zu sich sagt: 
Gott hat mir nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Manchmal muss man sich mehr sagen lassen, als man zunächst glauben kann.
Und falls ich mich doch fürchte, so will ich daran denken, wer auch mein eigentlicher Herr ist, wem ich gehöre, wer mich mit Namen kennt und wessen Geist in mir ist. Das wird die Furcht verscheuchen und lässt mich wieder ruhig und besonnen sein. 
Nein, ich muss nicht an der großen oder an meiner kleinen Welt verzweifeln. Ich will lieber „selbst die Veränderung sein, die ich mir wünsche“ (Mahatma Gandhi)Denn, liebe Leserin, lieber Leser, wie anders soll sich etwas zum Besseren ändern, als dass wir bei uns damit beginnen? 
Ich selbst kann eine Zelle des Friedens sein. Kann aufrichtig und freundlich sein, hilfsbereit und dankbar. Ich kann einsichtig sein und zuerst dem andern die Hand zur Versöhnung reichen. Kurz: Ich soll und kann lieben, die Sympathischen, aber die anderen auch. Das müssen wir beide nicht aus eigener Kraft tun, sondern im Geist dessen, der uns geschaffen hat und kennt.

Gebetslied:

1:  Warum sollt‘ ich mich denn grämen*? Hab ich doch Christus noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben?

2:  Nackend lag ich auf dem Boden, / da ich kam, da ich nahm / meinen ersten Odem**. / Nackend werd ich auch hinziehen, / wenn ich werd von der Erd / als ein Schatten fliehen.

3:  Gut und Blut***, Leib, Seel und Leben / ist nicht mein, Gott allein / ist es, der’s gegeben. / Will er’s wieder zu sich kehren, / nehm er’s hin; ich will ihn / dennoch fröhlich ehren.

11:  Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, / du bist mein, ich bin dein, / niemand kann uns scheiden. / Ich bin dein, weil du dein Leben / und dein Blut mir zugut / in den Tod gegeben.

*      bekümmert sein / sich sorgen
**     Atemzug
***   Blutsverwandte: Eltern, Kinder

Paul Gerhardt 1653. Ich singe dieses Lied für mich nach der Melodie des Weihnachtsliedes „Fröhlich soll meine Herze springen“.

Früher haben mir diese Verse nicht viel bedeutet. Jetzt bin ich um einige Lebenserfahrungen reicher und finde mich in ihnen wieder.

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr 

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 1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. *************************************************** 
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Donnerstag, 24. Juli 2025

Tiefer blicken hl

Lehrtext: Eine Sünderin trat von hinten zu Jesu Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu netzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit dem Salböl. Jesus aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden! Lukas 7,38.50

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hast du Vorurteile gegenüber bestimmten Leuten? Ich schon. Sollte ich nicht. Ich weiß. Aber ich habe sie nun mal. Einige konnte ich Gott sei Dank inzwischen ablegen, zum Beispiel gegenüber Homosexuellen oder Russen. Ich hatte sie von meinen Eltern erworben, deren Einstellungen in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus geprägt worden waren und die sie an mich eher unbewusst weitergeben haben. Eigentlich war ich als Kind gegenüber vielem, was mir fremd war, sowieso voreingenommen. 

Manchmal kamen „Zigeuner“, so sagte man damals, in unser Dorf. Die hatten einen schlechten Ruf und galten als Diebe. Erst viel später habe ich erfahren, was die Nazis an ihnen verbrochen hatten. Juden gab es keine mehr. Sie und ihr Schicksal wurden totgeschwiegen. Doch schon wer einen fremden Dialekt gesprochen hatte, war mir irgendwie suspekt. 
Heute ist für mich die sexuelle Orientierung anderer ihre Angelegenheit. Die Russen sind für mich Menschen wie du und ich und die „Zigeuner“, jetzt Sinti und Roma, ebenso.

Ob es überhaupt Menschen ohne Vorurteile gibt? 

Im heutigen Wort aus dem Lukas-Evangelium geht Jesus auf den Ärger seines Gastgebers, des Pharisäers (1) Simon, ein. Der ließ sich deutlich anmerken, wie sehr er diese Prostituierte (2) verachtete, die plötzlich in seinem Haus auftauchte. „Sie trat von hinten zu Jesu Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu netzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.(3) 

Der Pharisäer

Darüber war der fromme Simon verständlicherweise erbost. Denn erstens war die Frau nicht eingeladen und zweitens galt sie nach den damaligen Vorstellungen im Judentum als unrein. So eine wollte er nicht in seinem Haus haben. Und schon gar nicht sollte sie seine Gäste belästigen.

Die Frau

Die Prostituierte aber sagt mit ihrer Geste: „Jesus, wenn mich auch alle verachten, du nicht. Sei du auch mein Gast. Komm in mein schwieriges Leben, so wird meine wunde Seele gesund.“

Jesus

Und er? Er hat sie nicht mit seinen Füßen weggestoßen. Hat sie nicht wie Dreck behandelt wie das die Simons dieser Welt tun. Er sah in ihr nicht die Prostituierte. Er blickte tiefer. Er sah einen Menschen in Not. Und er „sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!(2)

Das Problem hier ist nicht die Sünderin, sondern der selbstgerechte Pharisäer. Wer mit einem anderen grundsätzlich nichts zu tun haben will, wer ihn aus moralischen oder anderen Gründen verurteilt oder gar verachtet, - der ist das Problem. Und vielleicht würde es ihm helfen, so zu beten, wie auch ich es immer wieder nötig habe: 

Gebet: Herr, womit auch immer ich zu dir komme, du stößt mich nicht zurück. Denn du weißt, warum ich so bin wie ich bin. Du kennst auch meine Probleme, die ich mit denen habe, die nicht meinen Werten entsprechen. Hilf mir in meinen Schwierigkeiten, heile mich von meinen Vorurteilen und vergib mir meine Selbstgerechtigkeit. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

(1) Pharisäer: Im Judentum zur Zeit Jesu waren Pharisäer eine religiöse und politische Partei. Sie legten das Gesetz Mose streng aus und grenzten sich von anderen ab, die sie als unrein betrachteten. 
(2) Die seit der frühen Kirche wahrscheinlichste Erklärung. Manche glauben, sie sei Maria Magdalena gewesen.
(3) Lukas 7,38.50, der heutige Lehrtext. Die ganze Geschichte steht in Lukas 7,36-50 

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. *************************************************** 
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Mittwoch, 23. Juli 2025

Nachdenken über sich hl

Lehrtext: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen. 1. Korinther 15,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ich bin. Das heißt, es gibt mich: von Gott gewollt, geschaffen, gesegnet - wie du.

Ich bin nicht von Menschen gemacht. Habe mich auch nicht selbst geschaffen, bin kein „selfmade man“ wie man gern sagt. Es gibt mich, weil Gott mich gegeben hat. Mit einem Wort: Ich bin mir und anderen von ihm geschenkt – ebenso wie du. Dein Leben wie meins ist Gnade, also Geschenk und kein Fluch. Führen wir es im Vertrauen auf Gott, so ist es - wie Paulus von dem seinen sagt - ebenfalls „nicht vergeblich gewesen“.

Kurz: Wie du, bin auch ich, was ich bin durch Gottes Gnade. Von ihm bin ich geliebt – das weiß ich von Jesus. Das sagt er mir mit seinen Worten und dem, was er für mich getan hat.

Und ich bin, wer ich bin: Ich habe einen Namen und einen Lebenslauf. Meine Fingerabdrücke, meine Gene, meine Stimme sind einmalig. Und unverwechselbar ist, wie ich fühle, denke - und glaube. 

Ich bin - auf Zeit - und werde vergehen. Für Gott aber, so hoffe ich, werde ich bleiben gemeinsam mit dir und allen seinen Geschöpfen. Wie? Das ist seine Sache. Mir soll es genügen, dass es so ist.

So, liebe Leserin, lieber Leser, sehe ich mich, wie Paulus es sagte: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ - Und du, wie siehst du dich?

Ich danke Gott, und freue mich
         Wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich bin, bin! Und daß ich dich,
         Schön menschlich Antlitz! habe;
Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
         Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
         Und lieben Monde gehen;
Und dass mir denn zumute ist,
         Als wenn wir Kinder kamen,
Und sahen, was der heil'ge Christ
         Bescheret hatte, amen!

Ich danke Gott mit Saitenspiel,
         Dass ich kein König worden;
Ich wär geschmeichelt worden viel,
         Und wär vielleicht verdorben.
Auch bet' ich ihn von Herzen an,
         Dass ich auf dieser Erde
Nicht bin ein großer reicher Mann,
         Und auch wohl keiner werde.
Denn Ehr' und Reichtum treibt und bläht,
         Hat mancherlei Gefahren,
Und vielen hat's das Herz verdreht,
         Die weiland wacker waren.
 
Und all das Geld und all das Gut
         Gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
         Kann's aber doch nicht machen.
 Und die sind doch, bei Ja und Nein!
         Ein rechter Lohn und Segen!
Drum will ich mich nicht groß kastei'n
         Des vielen Geldes wegen.
 
Gott gebe mir nur jeden Tag,
        Soviel ich darf zum Leben.
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
        Wie sollt' ers mir nicht geben!   

Matthias Claudius

Herzliche Grüße,

Ihr / dein

Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. *************************************************** 
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Montag, 21. Juli 2025

Friede heute hl

Losung: „Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.“ Jesaja 57,19

Lehrtext: „Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alles.“ Apostelgeschichte 10,36

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Friede“ – wie unwirklich klingt dieses Wort in unserer Zeit,

in der Russen und Ukrainer sich gegenseitig mit Drohnen beschießen;
in der es heißt, dass wir in Deutschland wieder kriegstüchtig werden müssen;
in der der Bundeskanzler sagt, dass die israelische Armee mit dem Angriff auf Ziele im Iran „für uns die Drecksarbeit erledigen“ würde;
in der dieselbe Armee seit Monaten Tag für Tag die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen angreift;
in der israelische „Siedler“ palästinensische Bauern im Westjordanland von ihrem Land vertreiben und töten.

Wie klingt da das Wort Friede?

Mir tun nicht nur die vielen Opfer leid, sondern auch die vielen Israelis, die ihre eigene Regierung deswegen verurteilen und nicht wollen, dass sie für deren Taten mitverantwortlich gemacht werden.

Es fällt schwer, nicht pauschal von „den Russen“, „den Israelis“, „den Palästinensern“ zu reden. Aber ich will unterscheiden – zwischen den Verantwortlichen für Terror, Hunger und Kriegsgreuel, und den Unschuldigen, die in all das hineingezogen werden.

So viel zum Thema Krieg und Frieden heute – einem Thema, bei dem die Emotionen schnell hochkochen und man dem, der nicht der eigenen Meinung ist, oft gar nicht mehr zuhört.

In diese unsere Zeit hinein spricht heute Gott durch seinen Propheten: „Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe; ich will sie heilen.“ (Jesaja 57,19)

Sein Wort gilt auch mir. Denn jeder Friede fängt immer zuerst im eigenen Herzen und im eigenen Kopf an. Er ist wie ein Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht.

Ja, er muss uns heilen von unserer Angst, die wähnt, Waffen könnten schützen, damit endlich wieder Gottvertrauen wachsen kann.

Was kann ich jetzt anderes tun, als mich Gottes Friedenswort zu öffnen, es anzunehmen und mich danach zu richten – jenem Wort, von dem der Evangelist Johannes sagt, dass es in Jesus Mensch geworden ist?

Was er damals sagte und lebte, ist für mich nach wie vor gültig:
auf Gewalt und Waffen verzichten,
versuchen, die Feinde zu lieben,
miteinander reden statt sich gegenseitig zu verteufeln,
selbstkritisch statt selbstgerecht sein,
den Balken aus dem eigenen Auge ziehen (Matthäus 7,3-5).

Das, so glaube ich, sind wir, die wir uns nach Jesus Christen nennen, uns selbst und der Welt schuldig – gerade wenn wir deshalb als naiv belächelt oder beschimpft werden.

Gebet: Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen (Philipper 4,4-9)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. *************************************************** 

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